Aktueller Warnhinweis 

https://www.lfl.bayern.de/ips/kleingarten/035205/ schreibt dazu:

Feuerbrand

Feuerbrand am Birnbaum

Feuerbrand am Birnbaum

Hinweise für Haus-, Kleingarten und Streuobst

Der Feuerbrand, eine durch das Bakterium Erwinia amylovora verursachte Gehölzerkrankung, stellt eine ernstzunehmende Gefahr für das Kernobst und anfällige Ziergehölzarten dar. Betroffen davon sind sowohl der Erwerbsobstbau, der landschaftsprägende Streuobstbau, aber auch Baumschulen, Hausgärten und das öffentliche Grün.
Die Erfahrungen aus älteren Befallsgebieten Europas zeigen, dass sich der Erreger dauerhaft etabliert, wenn die entsprechenden klimatischen Voraussetzungen und eine ausreichende Anzahl von Wirtspflanzen vorhanden sind. Beides ist in Bayern der Fall. Die Feuerbrandausbreitung in Bayern zeigt auch, dass es auf Dauer unmöglich ist, Schadorganismen fernzuhalten, die hier günstige Lebens- und Vermehrungsbedingungen vorfinden. Das Ziel muss es deshalb sein, den Obstbau trotz Feuerbrand-Infektionsdruck zu erhalten und auszubauen.

Wirtspflanzen

Der Feuerbranderreger besitzt einen großen Wirtspflanzenkreis. Hauptwirtspflanzen sind die Kultur- und Zierformen von Apfel (Malus), Birne (Pyrus) und Quitte (Cydonia), sowie Zierquitte (Chaenomeles), Weiß- und Rotdorn (Crateagus), Feuerdorn (Pyracantha), Vogelbeere und Mehlbeere (Sorbus), Zwergmispel (Cotoneaster) und Felsenbirne (Amelanchier).

Äpfel am Baum

Äpfel

Birnenblüten

Birne

Quitten am Baum

Quitte

Zierquitten am Strauch

Zierquitte

Weissdorn

Weissdorn

Beeren des Feuerdorns

Feuerdorn

Vogelbeerbaum

Vogelbeere

Blüten der Felsenbirneblüten

Felsenbirne

Blühtermine der Wirtspflanzen

Der wichtigste Beobachtungszeitraum zur Früherkennung von Befallsherden beginnt mit dem Abschluss der Blüte und reicht bis zum Ende des Frühsommers. Nachfolgend finden Sie eine Auflistung der Blühtermine der Wirtspflanzen. Je nach Witterungsverlauf und Lage können diese Termine allerdings mehr oder weniger stark abweichen.

Übersichtstermine pdf 72 KB

Krankheitssymptome

Quitte mit FeuerbrandZoombild vorhanden

Quitte mit Feuerbrand

Infektionen werden hauptsächlich an Blüten und Jungtrieben (einschließlich Wasserschosse) der erwähnten Wirtspflanzen hervorgerufen. Typische Merkmale der Feuerbrandkrankheit sind die meist dunkelbraun bis schwarz gefärbten Stiele der abgestorbenen Blüten und Blätter an den erkrankten Zweigen und die des öfteren auffallend dunkel gefärbten Hauptadern der Blätter. Infizierte Blüten und Triebe vertrocknen und das Gewebe verfärbt sich braun oder schwarz.

Aus den erkrankten Stellen können bei feucht-warmer Witterung Tröpfchen eines klebrigen Bakterienschleims austreten. Dieser Bakterienschleim - auch als Exsudat bezeichnet - ist zunächst milchig weiß, verbräunt aber später und trocknet mit der Zeit ein. Die jungen, noch krautigen Triebspitzen krümmen sich oft infolge des Wasserverlustes hakenförmig nach unten. Bei spätblühenden Gehölzen und Nachblüten an Birnen und Äpfeln besteht auch im Sommer hohe Infektionsgefahr.

Ast

Aus dem Trieb austretender Bakterienschleim

Pflanzentrieb

Verkrümmung junger Triebspitzen durch Wassermangel

Birne mit starkem FeuerbrandbefallZoombild vorhanden

Birne mit starkem Feuerbrandbefall

Triebspitzen können ebenfalls während der ganzen Vegetationsperiode infiziert werden. Im Herbst bleiben die toten, wie verbrannt aussehenden Blätter an den befallenen Zweigen hängen. Die Krankheit kann schließlich auf die älteren Zweige und Äste und auch auf den Stamm übergehen, wobei es zum Absterben der gesamten Pflanze kommen kann. Unter der zerstörten Rinde ist das Holz rötlich-braun verfärbt und mit Bakterienexsudat durchsetzt.
Da die befallenen Rindenpartien einsinken, entsteht eine deutliche Grenzlinie zwischen gesundem und krankem Gewebe. Derartige eingesunkene Stellen werden besonders an stärkeren Ästen und am Stamm gebildet.
Bei einem Befall kommt es infolge von Versorgungsstörungen im Spätsommer oft zu einer frühzeitigen rötlichen Verfärbung der Blätter und/oder zu einer vorzeitigen Ausfärbung der Früchte. Dieses Symptom kann aber auch die Folge von Trockenheit, Nährstoffmangel oder eines Befalls durch pilzliche Erreger sein.

Verwechslungsmöglichkeiten

Moniliabefall an BirnenZoombild vorhanden

Moniliabefall an Birnen

Die Ursachen für welkende, verbräunte und vertrocknete Blüten und Triebe können neben dem Feuerbrand auch andere bakterielle (z. B. Pseudomonas syringae pv. syringae) oder pilzliche Erreger (z. B. Monilia sp.), Phytoplasmen (Apfeltriebsucht, Birnenverfall), tierische Schädlinge (Blutläuse, Birnentriebwespe) und nichtparasitäre Einflüsse (Frost, Trockenheit, Herbizide) sein.
Herbizid-Spritzschaden, Verwechslungsgefahr mit FeuerbrandZoombild vorhanden

Herbizid-Spritzschaden, Verwechslungsgefahr mit Feuerbrand

Einen ersten Hinweis auf die Schadursachen bietet oft das flache Anschneiden des Übergangs vom gesunden zum kranken Gewebe. Dieser ist bei pilzlichen Infektionen in der Regel scharf abgegrenzt und macht einen trockenen Eindruck. Bei bakteriellen Infektionen ist er dagegen zunächst feucht und unscharf, streifig oder fleckig. Bei länger zurückliegenden Infektionen, wenn die Krankheitsausbreitung zum Stillstand gekommen ist, kann der Übergang auch scharf ausgebildet sein. Die genaue Diagnose ist nur mit Hilfe spezieller Testverfahren im Labor an während der Vegetationszeit entnommenen Proben möglich.

Meldepflicht

Auch unreife Früchte können befallen werden. Der Befall erfolgt dabei über die Blüte durch den Fruchtstiel, durch die Lentizellen der Fruchtschale, oder nach Verletzungen durch Hagel und Sturm. Infizierte Früchte zeigen bräunliche, später in schwarz übergehende Verfärbungen. Schließlich sind nur noch eingetrocknete Fruchtmumien übrig, die wie die toten Blätter noch lange fest am Baum hängen bleiben.
In Bayern tritt Feuerbrand flächendeckend auf, daher ist der Bestandsschutz von Kernobsterwerbsanlagen, Baumschulen und Vermehrungsanlagen vorrangig. Eine Ausrottung des Feuerbrandes in der übrigen Flur ist nicht mehr durchführbar. Die Krankheit ist nicht mehr meldepflichtig. Rechtsgrundlage dazu ist die Verordnung zur Neuregelung pflanzengesundheitsrechtlicher Vorschriften vom 18. Oktober 2023 (Pflanzenbeständeschutzverordnung–PflBestSchV).
Obwohl die Krankheit in Bayern bereits fast in allen Gebieten vorkommt, ist es für die Pflanzenschutz-Beratung weiterhin wichtig, einen Überblick über die aktuelle Feuerbrandsituation in den einzelnen Regionen zu bekommen. Daher wird von Seiten des bayerischen Pflanzenschutzdienstes gebeten, alle Verdachtsfälle zu melden, entweder an die zuständige Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege an den Landratsämtern oder an die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenschutz.

Krankheitsverlauf und Übertragung

Feuerbrand BlüteninfektionZoombild vorhanden

Feuerbrand Blüteninfektion

Die Bakterien überdauern die Vegetationsruhe in erkrankten Rindenteilen. Von hier erfolgt im Frühjahr und Sommer die Verbreitung hauptsächlich durch Regentropfen, Wind und saugende und blütenbesuchende Insekten. Auch Vögel sollen bei der Verbreitung eine Rolle spielen. Die Krankheit beginnt meist mit Blüteninfektionen, die dann im weiteren Jahresverlauf zu massivem Befall der Triebe führen können.
Feuerbrand TriebinfektionZoombild vorhanden

Feuerbrand Triebinfektion

Bei reinen Triebinfektionen ist dagegen das Ausmaß der Schäden in der Regel geringer. Ideale Infektionsbedingungen herrschen während schwül-warmer Witterungsperioden bei Temperaturen über 18 °C und einer relativen Luftfeuchte von mehr als 70 %. Das witterungsbedingte Infektionsrisiko kann mit Hilfe von Computerprogrammen ermittelt werden, die der Amtliche Pflanzenschutzdienst für den Warndienst einsetzt. (Internet: www.lfl.bayern.de/Pflanzenschutz/Erwerbsgartenbau)
Wichtige Eintrittspforten für den Erreger sind offene Blütenorgane und Wunden, bei Anwesenheit von genügend Feuchtigkeit auch natürliche Öffnungen wie Nektarien, Wasserspalten, Lentizellen sowie Narben von Blatt- und Fruchtstielen. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Krankheit innerhalb eines Gehölzes ist vom Anfälligkeitsgrad und der Vitalität abhängig, wobei wüchsige Pflanzen anfälliger sind.
Auch mit Schnittwerkzeugen können innerhalb kurzer Zeit ganze Bestände verseucht werden. Häufig beginnt eine Epidemie bei hochanfälligen, spät blühenden Wirtspflanzen, die z. B. als Windschutzhecken oder als Begleitgrün entlang von Straßen und Eisenbahnen verbreitet sind (Rotdorn und Weißdorn). Auch infiziertes Pflanzenmaterial als Handelsware stellt eine ernstzunehmende Gefahr dar. Mit befallenen Pflanzen wird die Krankheit von einem Gebiet ins andere verschleppt.

Ansprechpartner

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
Institut für Pflanzenschutz; IPS 3d

Kreuzbreite 4
85354 Freising
Tel.: 08161 8640-5199
E-Mail: pflanzenschutz@lfl.bayern.de

Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Internet: Liste der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayern Externer Link

Landratsämter:
Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege

Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
An der Steige 15
97209 Veitshöchheim
Tel.: 0931 9801-0
E-Mail: poststelle@lwg.bayern.de

 
Abbildungsverzeichnis

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenschutz, IPS 3d
Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e.V., Fachgebiet Obstbau
Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität München

 

Quelle:https://www.lfl.bayern.de/ips/kleingarten/035205/

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